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Burgruine Reichenau: Sanieren gegen das Vergessen.

1932 sollte endgültig Schluss sein. Nach all den Angriffen, Kriegen und geschichtsträchtigen Ereignissen, die sich auf der Burg Reichenau abgespielt hatten. Die Preisgabe zum Verfall sollte die Geschichte der Burg besiegeln. Doch im vielleicht allerletzten Moment wendete sich das Blatt …
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Die Chronik der Burg Reichenau beginnt im 14. Jahrhundert. Erbaut 1310 oder 1315, jedenfalls vor 1397 – denn von der Übergabe zeugt noch ein Kaufbrief. Es braucht gar nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was sich innerhalb (und außerhalb) der alten Gemäuer abgespielt haben muss. Es gab Kriege, Brände, wechselnde Besitzer und wechselnde Herrscher. Wie oft pilgerten die unfreien Bauern wohl auf den Schlossberg, um dort ihre Abgaben – ihren Zehent – abzuliefern?

Letzte Chance für die Erhaltung

Von diesen Abenteuern war um die Jahrtausendwende nicht mehr viel übrig. Die Dächer des Schlosses waren eingestürzt, die Mauern großteils verfallen, der Frost hatte einiges weggesprengt, der Wind vieles davongetragen. Nachdem der letzte Pfleger ausgezogen war, wurde die Burg sich selbst überlassen. Die Zeit drängte, damit die historische Vergangenheit nicht gänzlich zerfiel. Das sah auch Mag. Josef Rechberger, der viel zu früh verstorbene Bürgermeister von Reichenau und setzte sich maßgeblich für die Rettung der Burgruine ein. 2004 erhielt unser Büro den Auftrag, die zuvor beschlossenen Sanierungsmaßnahmen abzuwickeln, zu koordinieren und einen schrittweisen Revitalisierungsprozess, der uns bis heute begleitet, zu starten.

Mittelalter trifft 21. Jahrhundert

Nun zur Architektur. Die ersten, dringend notwendige Bestandssicherung haben wir behutsam durchgeführt, ohne Wunden in das alte Mauerwerk zu schlagen. Seit nunmehr fast 700 Jahren ist die Baugeschichte der Burg Reichenau einer stetigen Veränderung unterworfen. Unsere Revitalisierung und Adaptierung fügt einen weiteren Baustein hinzu. Die neuen Elemente sprechen aber ganz bewusst die Material- und Formensprache des 21. Jahrhunderts.

Wir wollten die Wiederaufnahme der Geschichte mit einer fast 100-jährigen Pause nicht leugnen, ohne das dabei die Epochen in Konkurrenz treten. Neue Strukturen wurden im Zusammenhang mit dem Bestand eingefügt - teilweise sogar reversibel. Dennoch mit dem Hintergrund: „Es müsste doch möglich sein, aus den alten Gemäuern, etwas neues Wachsen zu lassen!“

In mehreren Etappen wurde eine wesentliche Qualitätsverbesserung für den Theater- und Kulturbetrieb sowie für die touristische Nutzung der Burgruine geschaffen. Es entstanden neue, moderne und behindertengerechte WC-Anlagen. Die vom Zerfall bedrohten Außenmauern des Süd-Ost-Traktes wurden mit einem umlaufenden Betonkranz gesichert. Dieser dient neben seiner statischen Funktion auch als Auflage für eine zukünftige, temporäre Bühnenüberdachung. Schon im Mittelalter gab es hier eine Überdachung – und könnte so das ursprüngliche Raumgefühl wieder erlebbar gemacht werden.

Die Überreste des Bergfriedes waren derart in Mitleidenschaft gezogen, dass der Bereich gesperrt werden musste. Wir haben in statisch gesichert und den Mauerabschluss neu aufgebaut – man kennt diese Machart von vielen Sanierungen alter, freistehender Mauerwerken wie zum Beispiel auch beim Kolosseum im Rom.

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Die Kultur der Reparatur

Im Zuge der Auseinandersetzung mit den Baustrukturen tauchten wir immer tiefer in die Geschichte der Burg ein. Im Grunde sehr typisch für unser Büro. Gerade aber beim Projekt der Burgruine Reichenau war uns schnell bewusst: Wir wollen nicht nur die alten Mauern, sondern auch das uralte Wissen und die Bedeutung der Burg für die Geschichte der Region, erhalten. Wir recherchierten im Landesarchiv, im Landesmuseum, fragen uns durch, führten Gespräche mit Zeitzeugen und Nachfahren von Bewohnern der Burg. Das Wissen aus der akribischen Auseinandersetzung ließen wir nicht nur in die Arbeit einfließen – wir haben daraus auch ein Buch gestaltet. Das 162 Seiten starke Werk trägt den Titel „Burgruine Reichenau“ und ist bei der Gemeinde oder beim Tourismusverband zu erwerben. (Der Erlös wird zur Gänze den Sanierungsarbeiten zugeführt)

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Kultur der Reparatur

Nach vielen Jahrzenten passt bei einem Gebäude so manches nicht mehr. Aber nicht nur die Materialien altern, auch die Anforderungen ändern sich. Sanieren bedeutet ein Haus zu erweitern, ohne dabei von vorne beginnen zu müssen. Daher sagen wir: "Sanieren ist wie eine zweite Chance!"