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Umgestaltung des Gebäudes in der Salzburger Vorstadt

EU-weit, einstufiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren

Haus Braunau – „Nach Regen kommt Sonnenschein!“

Architektur spiegelt Bauweise, Form und Materialität aber auch das Zeitgeschehen einer Epoche wider und hinterlässt Spuren, die in der Bausubstanz zumeist erkennbar sind. Gerade beim gegenständlichen Gebäude muss man sich dieser Spuren bewusst sein, damit nicht ignorant mit diesen Erinnerungen umgegangen wird!

Wie geht man als Architekt mit einem Gebäude um, indem ein zukünftiger Tyrann geboren wurde und drei Jahre darin wohnte?

Nicht nur wir als Architekten müssen uns innerhalb dieser gestellten Bauaufgabe mit dieser Frage beschäftigen, sondern ein ganzes Land, denn das Kind war Adolf Hitler! - 100 Jahre später wird die Frage gestellt, was mit diesem Haus eigentlich geschehen soll.

AUSEINANDERSETZUNG - „Umgangsweise mit belasteter Geschichte“

Leugnen, verdrängen, wegreißen oder umbauen?
Das gegenständliche Gebäude trägt zweifellos eine schwere Bürde, ist aber aus architektonischer Sicht, weit davon entfernt, unter dem Begriff NS-Architektur mit ideologisch geprägter Bauweise eingereiht werden zu können. Im vorliegenden Fall ist ein scheinbar gewöhnliches Gebäude belastet, jedoch für den "historischen Laien" auf den ersten Blick nicht als ein Profanbau aus der NS-Zeit zu erkennen, - dennoch muss hier ein "Spagat" gefunden werden, um zum einen, jeden Ansatz der Ermöglichung einer Erinnerungskultur zu unterbinden, gleichtzeitig aber nicht verleugnend zu agieren!

Auch wenn es das Ziel ist, dass der "Ort des Erinnerns" neutralisiert wird, darf man die diesbezügliche, zeitgeschichtliche Einordnug "nicht" verleugnen und ignorieren! - Dies bezieht sich für uns besonders auf die Frage, ob es richtig ist, den Gedenkstein zu entfernen, denn die Geschichte kann man nicht auslöschen und "verlegen!"

Im Sinne der architektonischen Bauaufgabe erscheinen uns zwanghafte Rückbesinnungen, (zur Verdeutlichung einer Vergangenheitsbewältigung) mit überzogenen Anleihen aus vergangenen Zeiten, banalisierend und kulissenhaft! - Daher sehen wir eine funktionale, angemessene und gestalterische Schlichtheit als beste Lösung im Umgang mit der Geschichte dieses Hauses.

Eine materielle Veränderung durch einen bedarfsgerechten Umbau wird die geschichtliche Einordnung und Erinnerung zwar zurückdrängen und in einer Art und Weise transformieren welche eine Rückbesinnung erschwert, - der Ort als solcher wird aber seinen Nimbus behalten!

ENTWURFSANSATZ - „Licht und Luft!“
Absicht bei der Neustrukturierung ist es, eine Balance zwischen Alt und Neu zu schaffen, ohne dabei eine klare Unterscheidung der zeitgeschichtlichen Strukturen zu thematisieren.

Eine funktionale Überführung in ein zeitgemäßes Bürogebäude, dass im Zusammenspiel mit dem rückwärtigen Neubau und der „hinteren Platzgestaltung“, einen den Funktionen angepassten Stadtraum neu definiert.

Die zur Errichtung der Polizeidienststelle notwendigen baulichen Eingriffe folgen dabei einem befreiendem, atmosphärischen Entwurfsgedanken von LICHT vs. Schatten sowie OFFENHEIT vs. Enge!

Durch den Abbruch der bestehenden Nasszellen, wird im hinteren Gebäudeteil des Altbaus ein großzügiger, über alle Geschoße führender Lichthof ausgebildet, der die innere Struktur des Hauses offenlegt und gleichzeitig viel Licht bis tief in das Gebäudeinnere bringt. - Dadurch entsteht eine offene und lichtdurchflutete Raumstruktur, die mit der ursprünglichen Gestalt des Hauses und seiner damaligen Nutzung vollkommen gebrochen hat!

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STÄDTEBAU - „Platzgestaltung und Stadtraum!“
Mit dem seit vielen Jahren leerstehenden „kleinbürgerlichem“ Gebäude, mitten im Ort, (am Durchgang der Schmiedgasse gelegen), ist auch der dahinterliegenden Platzbereich zur Restfläche verkommen.

Der derzeitige Platz ist durch die parkenden Autos gekennzeichnet und steht in keinerlei Beziehung mit den umliegenden Gebäuden. Der neuen Nutzung des Bestandsgebäudes entsprechend, ist zum einen aus sicherheitsrelevanten Gründen und zum anderen im Sinne der Stadt Braunau, aus stadträumlichen Überlegungen, die Neugestaltung dieses Platzes von Bedeutung.

Um beide Überlegungen zu vereinen wird vorgeschlagen, diese Fläche als kleinen Park auszubilden. Eine urban gestaltete Parkfläche, die bis zur Fassade des Erweiterungsbaus heranreicht, diesen optisch mit diesem Platz verbindet und die Möglichkeit für Versammlungen dauerhaft unterbindet.

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Visionen für einen belasteten Ort

Das unerwartete Bild des begrünten Balkons führt zu Irritationen, lässt Innehalten und nach dem Sinn fragen. - Eine grüne Landschaft, die mit der Zeit „Gras über etwas wachsen lässt“, dass bei Vielen in Vergessenheit geriet. „Eine Intervention für ein bewusstes Hinsehen, denn Grasnarben können jederzeit wieder aufbrechen!“